Netlabels

Netlabels (oder auch Net-Labels, Online-Labels, MP3-Labels, Netaudio-Labels) sind Musiklabels, die ihren Output digital als Dateien übers Internet verbreiten. Und zwar zumeist völlig kostenlos für den Besucher.

Musik von “Netlabels” & “Creative Commons” gehören für viele so zusammen wie Bud & Terrence, Käse & Stulle, Obama & Change. Doch bereits lange vor diesen beiden Schlagworten, als die Rechtschreiberkennung “mp3″ noch als unbekannt deklarierte, gab es schon Musik, die nicht nur frei zum Download und weiterkopieren stand, sondern sogar so Open-Source war, dass man problemlos die offenen Musikdateien weiter bearbeiten und remixen konnte.

Hierzu muß man ins Jahr 1987 zurück springen, als der Programmierer und Musiker Karsten Obarski nach einer professionellen Lösung, Musik für Spiele zu schreiben, den “Ultimate Soundtracker” erfand. Mit diesem 4-Kanal-Sequenzer konnte man Samples von mitgelieferten Sounddisketten oder auch eigene verarbeiten.

Benutzerfreundlich und auch für Laien ohne musikalische Ausbildung sehr einfach zu verstehen, konnte man mit dieser Software nicht nur eigene Stücke arrangieren und komponieren, sondern auch die fertigen Kompositionen als kleine und speicherfreundliche “mod”(für “Module”)-Dateien abspeichern. Da es das Internet noch nicht gab, wurden solche mod-files damals noch via Diskette per Post oder aber über erste Boards via Telefonmodem vertrieben und kopiert.

Als dann das Internet Mitte der Neunziger Einzug in die ersten Haushalte einhielt, bildeten sich erste sogenannte “Musicgroups” und “Tracker-Ringe”, also Musiker, die sich als Crews zusammen taten und ihren Output in Form von mods oder xms und its (Fasttracker & Impulstracker-Formate) ins Netz stellten, wieder frei für jedermann zugänglich und kopierbar und mit Playern wie z.B. Winamp problemlos abspielbar. Erst als 1997 das vom Frauenhofer Institut entwickelte mp3-Format populär wurde, stiegen viele Musiker auf dieses Format um, da es sich als ein weitaus gängigeres Format durchsetzte, und auch andere Musiker, die nicht mit Trackern arbeiteten, nutzen die neuen Möglichkeiten der Verbreitung über das komprimierte mp3-Format.

Während die ehemaligen Musicgroups weiterhin auf die selbstständige Vermarktung ihrer Musik im Netz setzten und ihre Webseiten immer professioneller aussehen ließen und mit mehr und mehr Inhalten und Musik fütterten, blieb professionellen Musikern und solchen, die von einer derartigen “Szene” nichts wussten oder Kontakt zu ihr hatten, die Möglichkeit große und eher unübersichtliche Portale wie BeSonic, Mp3.com etc. in Anspruch zu nehmen, um ihre Musik auch im Netz zu platzieren. Nach dem Zusammenbruch oder zunehmenden Kommerzialisierung dieser Portale sahen sich viele Musiker gezwungenermaßen nach einer Alternative um und kamen oft über diese Musicgroups oder inzwischen auch gerne “Netlabels” auf die Idee, ihre Musik dort zu veröffentlichen oder sogar selber eines zu betreiben.

Nach wie vor bieten Netlabels neben anderen für Musiker interessanten Portalen wie MySpace, Last.fm, Soundcloud etc. eine ganz andere Aufbereitung der Veröffentlichungen an, oft mit liebevoll gestaltetem Cover-Artwork, Veröffentlichungstexten, Promo-Bildern und Merchandise. Viele Netlabels agieren derart professionell, dass sie sich von herkömmlichen Label-Webseiten nur noch darin unterscheiden, dass sie ihre Musik eben sogar kostenlos anbieten, oftmals noch mit einer Reihe andere Goodies, die man auf kommerziellen Seiten vermisst. Heute verbreiten die meisten Netlabels ihre Musik unter einer Creative-Commons-Lizenz, die besagt, dass man die Musik frei herunterladen und kopieren darf, lediglich Namensnennung muss gewährleistet sein und man darf sie nicht für kommerzielle Zwecke ohne Rücksprache mit dem Künstler verwenden. Selbst prominente Bands wie die Nine Inch Nails veröffentlichen inzwischen Musik unter einer solchen CC, Radiohead haben den Nutzen und die Möglichkeiten des Internet erkannt und ebenfalls für Medienrummel gesorgt, als sie 2007 ihr neuestes Album kostenlos zum Download anboten. Heute muss man keine teuren CDs oder Platten mehr produzieren, die Musik findet nun ohne diesen Umweg direkt zum Hörer und somit zumeist auch noch eine viel größere Verbreitung.

Insgesamt gibt es derzeit über 1000 bekannte Netlabels, Tendenz steigend.

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